•2009/10/09 • Kommentar schreiben

Grüße von der Wies'n

Frau mit Hund

•2009/10/07 • Kommentar schreiben

Du schreibst was du willst nicht mehr auf dieser Welt einen Baum pflanzen und anschließend gießen damit er groß werden und Schatten werfen kann alles mal vorbeigehen, ein Fußballspiel, die große Koalition, die Klimakatastrophe, eine Frau mit Hund,Frau mit Hund mein Magenknurren, der Sommer, der Winter, der Kater nach dem Rausch, eine Pechsträhne oder das Leben braucht keine Verlierer werden wir mehr sein am jüngsten Tag kehrt Gerechtigkeit ein, sagen die, die immer nur hoffen und glauben, dass er noch mal wiederkommt, um sie zu retten von ihrer trübseligen Insel der Selbstbeweihräucherung bezüglich der Sinnhaftigkeit ihres Wirkens sowie der Notwendigkeit eines langen und erfüllten Lebens, dem nichts mehr hinzugefügt werden muss ich doch mal eine kleine Schärfe mit einbringen und diese Lethargie des Wegsehens und Vergessens begreifen, um sie euch vor die Füße zu werfen, auf dass ihr euch beim darüber stolpern sämtlich Knochen brecht. Heilende Worte zur Begnügsamkeit eines allwirkendenden Geistes brauchen keine Versicherung, keinen Raum, keine Vieldeutigkeit, keine Begründungen, keine Materialität, keine Zukunft, keine Vergangenheit nur Gegenwart, Einsilbigkeit, Ruhe, Sturm, Besessenheit, Gleichgewicht, Freude, Dasein. Einst gingen die Menschen umher und fragten sich  wohin? Dann kamen andere und wollten unbedingt wissen woher? Dann kam ich und bemerkte hier.

•2009/09/16 • Kommentar schreiben

Gestern

Gestern

Zeit wegzugehen

aus gestriger Wirklichkeit

und vor Trauer vergessenen Tagen

um in voll Freude gefüllten Nächten

vom Morgen zu träumen

wenn alles unwirklicher scheint

als sei nichts geschehen

(TM27/8/04)

Mir wird schwindlig

•2009/09/16 • Kommentar schreiben

Erinnern setzt Vergessen voraus. Oder ist Vergessen eine Folge des Erinnerns? In meiner Erinnerung habe ich einiges vergessen. Ich vergesse mich zu erinnern. Ich fahre im Auto und sehe von Zeit zu Zeit in den Rückspiegel. Was ich dort sehe, liegt eigentlich in meiner Vergangenheit, zumindest ortsbezogen. Was ich dort sehe, dort war ich bereits, ich weiß nicht, ob ich dort noch einmal hinkomme. Um sicher zu gehen, müsste ich das Auto umgehend wenden. Was ich im Rückspiegel sehe, muss mir zu großen Teilen gleichgültig sein. Denn vor allem muss ich nach vorne in die Fahrtrichtung sehen. So ist das mit dem Erinnern auch: sehe ich zu sehr in die Vergangenheit, verliere ich womöglich die Kontrolle über die Straße, die vor mir liegt. Sehe ich nur nach vorne, nie nach hinten, bemerke ich vielleicht zu spät, dass etwas aus meiner Vergangenheit heraneilt, mich überholt und dabei aus der Bahn wirft. Aber ohne Erinnerungsvermögen wären Liebe, Hass, also Zuneigung oder Ablehnung anderer Menschen und eigener Eigenschaften nicht denkbar. Die guten und schlechten Erfahrungen, die sich in meinem Gehirn, ja sogar in meinem ganzen Körper als Gedächtnis ausgeprägt haben, bestimmen wie ich das vor mir Liegende bewerte.Herzschlag Manche Menschen sind überwiegend ängstliche Naturen, oft haben sie gar nicht selbst Schlechtes erlebt, sondern übernehmen nur die Haltung der Mutter, der Eltern oder anderer nahestehender Personen. Andere wiederum sind durch und durch optimistisch, verfügen über ein Grundvertrauen, das eigentlich nichts wirklich schief gehen könne. Da wird dann von Gottvertrauen gesprochen. Merken kann mensch sich sowieso nur, was er mit etwas schon Bekanntem verknüpfen kann. Was aber war das aller Erste was ein Mensch in seinem Leben im Gedächtnis abgespeichert hat? Da sich das Gehirn schon im Mutterleib entwickelt, passierte es also dort. Sehr früh bekommt der heranwachsende Embryo Geruchs- und Höreindrucke in der Gebärmutter. Riechen kann er dabei nur seine Mutter von innen, indirekt vielleicht was durch die Nahrungsaufnahme und Atmung der Mutter von außen nach innen dringt. Zu Hören sind erst mal auch nur die Organtätigkeiten der Mutter, aber auch alle Geräusche und Töne, die in der Umgebung der Mutter tönen. Zu aller erst aber dürfte der heranwachsende Mensch seinen eigenen Herzschlag, der in der Gebärmutter wiederhallt, hören. Dieses Bumm-Bumm ist also die Urmatrix, die erste Erinnerung, an die der Rest der Welt stetig angeknüpft wird. Welch Schock, wenn nach der Geburt, dieser eigene Herzschlag nicht mehr in dieser Lautstärke vom Neugeborenen vernommen werden kann. Wuff! Wenigstens kann so ein Säugling jetzt schreien, selber Lärm machen. Wau! Welch Labsal wenn der junge Mensch seinen eigenen Herschlag, diesen Takt des Lebens, in der Musik wiederentdeckt. Später als bei den Vögeln, die schon im noch verschlossen Ei zu zwitschern beginnen. Der ungeborene Mensch weiß bereits, dass er existiert, weil er seine Herzschlag hören kann. Nach der Geburt kommen sofort tiefe Zweifel über ihn: existiere ich? Das wahre Leben eines Menschen spielt sich bereits im Mutterleib ab. Herzschlag2Danach zweifelt er in einem Zwischenreich ob seiner Existenz, bis er stirbt. Im Sterben, wenn der Mensch die Welt wieder nur noch hörend wahrnimmt – wie es im Totenbuch der Tibeter beschrieben wird – wird er sich ein zweites mal bewusst: ja, ich existiere! Es gibt übrigens noch eine zweite Funktion des Gehörsinns, nämlich den Gleichgewichtssinn. Diese – quasi – Wasserwaage in den Ohren arbeitet im Mutterleib schon genauso zuverlässig wie nach der Geburt. Das erklärt warum, vor allem von Kindern, alle Bewegung, die den Gleichgewichtssinn strapaziert, so begehrt wird. Manche Menschen fasziniert das eigene Ausbalancieren des Körpers so sehr, dass sie viele Jahre lang rege Sport treiben.In den Tänzen der Sufis findet dieses Bestreben sogar eine tiefe spirituelle Kultur. Menschen, die viel Sport treiben oder auch viel Musik hören/machen erscheinen mir immer als besonders lebendig, weil sie diesen Zweifel über die eigene Existenz äußerst aktiv zum Ausdruck bringen. Mir wird schwindlig, also lebe ich!

•2009/08/27 • Kommentar schreiben

Im Altmühltal

Eine Straße entlang

Gläsergeklirre und Menschengeschrei aus offenen Fenstern

Gasse für Gasse passierend

Endlich die Grenze der Bebauung

Noch mal über eine sehr alte Brücke

Immer dem Fluss folgend

In einen Hohlweg abzweigend

Über ein ausgedehnte Lichtung

An sich mondenden Wildschweinen vorbei

Einen schier unendlichen Wald durchschreitend

Voll von tückischen Hindernissen und falschen Hinweisen

Dornengestrüpp oder Stacheldraht fast unüberwindbar

Raben auf einem verödeten Feld aufscheuchend

Bis zu einer steil abfallenden Rampe

Entlang einer hölzernen Rinne

In einen riesigen, leeren Raum gelangen

Hall ohne vernehmbares Echo

Rötlicher Schimmer zerfließt irgendwo im schwarzen Nichts

Plötzlich ein jäher Satz

Durch eine Falltür in ein Loch ohne Boden entschwinden

Erscheint ein „Ja ich will“ doch sehr verfehlt

Dennoch gibt es ein Wort

Ein kleines Wort nur

Das es ermöglicht

Zu sein

•2009/07/30 • Kommentar schreiben

Kuhpause

•2009/07/27 • Kommentar schreiben

Traumpfad

Aus dem Labyrinth deiner Schmerzen

Führt ohne Flügel kein Weg heraus

Verlasse dein namenloses Gefühl

Werde die aus dir entweichende Luft

Fürchte dich nicht dort oben

Vergiss deine JesusChristuspose

Lande in dem Garten aus Klang

Entdecke deine leuchtende Seele

Die nachts nur zu sehen ist

Du bist der einzige Weg

Auf dem du weiterkommst

Als ein Kind der Liebe

Wirst du letztlich ein Ozean sein

In rotes Licht getauchtes weißes Wasser

Ein geheiltes Inferno

Aus dem Verlies der Männlichkeit befreit

(TM27/8/04)

JesusI

40 Jahre

•2009/07/27 • Kommentar schreiben

Derzeit ist wieder viel von 40 Jahren die Rede. Vor 40 Jahren betraten die ersten Männer den Mond. Im Juli 1969 kamen in der Nähe von New York ca. eine halbe Million Menschen zusammen, um drei Tage Musik und Frieden zu feiern. Ich sage euch, Woodstock war das verdammt viel bedeutendere Ereignis als diese verpisste Mondlandung. Leute, ich liebe den Mond, aber warum in aller Welt mussten die da rauffliegen?MondDie wären mal lieber auch nach Bethel gekommen, um Crosby, Stills & Nash (Young war übrigens auch dabei, durfte aber niemand wissen wegen der Kapitalistenschweine von der Plattenfirma – aber ey, ich weiß doch wie Neils Gitarre klingt), den Grateful Dead, Jefferson Airplane, Joe Cocker, Santana, The Who, Jimi Hendrix, Creedence Clearwater Revival, Janis Joplin, Sly Stone, Ten Years After usw. zu lauschen. Ich glaube ja, Armstrong, Aldrin und Collins haben auch ganz schön gekifft, sonst hätten sie die ganze Tour gar nicht gecheckt. Ich schäme mich heute noch dafür, dass ich in meinem ersten Referat in der Schule den Dreien aus dem Adler gehuldigt und nicht eine Laudatio auf Love, Peace & Rock’n Roll gehalten habe. Wie dumm war das denn!?

Immer weiter so

•2009/07/15 • Kommentar schreiben

Ich muss dranbleiben, ich muss dranbleiben, ich muss dranbleiben, ich muss dranbleiben, ich muss mein Leben in die Hand nehmen und mich endlich auf den Tod vorbereiten, ich muss weiterleben, ich muss dranbleiben, ich bin dran…

Ich muss dranbleiben, am Tod, am Leben bleiben, es geht weiter, irgendwohin, wohin weiß ich nicht. Keiner kann sagen was da kommt, aber wir können schrecklich sein zu wissen, dass unser Handeln rechtlos und drauf…

Ich muss dranbleiben, ich muss einkaufen gehen, damit ich etwas zu essen und zu trinken im Hause habe, und Klopapier, damit ich mir nachher die Scheiße vom Hintern wischen kann. Damit ich weiterlebe, damit ich mich auf den Tod vorbereiten kann, damit ich dranbleibe…

Ich muss dranbleiben, ich werde weitermachen, immer weiter so, bis es nicht mehr geht, so geht es weiter, kommt Zeit, kommt Rat, kommt Fleischsalat. Here I am now, entertain you…Stilleben

•2009/07/07 • Kommentar schreiben

B-moll

Da kommt ein Gewitter heran

Wie viele Schirme du wohl auf einmal aufspannen kannst?

Oh – Sintflut! Keine Arche weit und breit

Ey – gehörst du auch zu dieser Menschheit,

die wieder und wieder auf Vulkanrändern tanzt?

Ha – schlecht für dich

-   da kommt dein Gewitter heran!

(TM22/7/92)

Pink Deluge

•2009/07/07 • Kommentar schreiben

C-Dur

Es springt ein Ei solange nicht

In das Bild mit dem Garten

Solange dort steht dieser Wicht

Und so tut als würd’ er drauf warten.

Zahnstocherballade

•2009/07/01 • Kommentar schreiben

Der Mann kam in das Cafe, setzte sich an der erstbesten Tisch und studierte gelangweilt die Getränkekarte. Ein Vogel, wohl eine Amsel, hatte sich beim Anflug auf den Nestbau verschätzt und landete geradewegs auf dem Balkon des Mannes, der gerade im Cafe einen Wein und eine Zigarre bestellte. Was da alles rumlag auf dem Balkon: alte verdreckte Unterhosen, zwei Mausefallen, zehn oder elf Zahnstocher und eine leere CD-Hülle. Im Cafe ging es um diese Zeit meist ziemlich zu, heute aber war der Mann der einzige Gast, so konnte die Bedienung ihn ausgiebig beobachten. Da bemerkte die Amsel, dass die Balkontür offenstand. Eigentlich wären die Zahnstocher genug Ausbeute für den anstehenden Nestbau gewesen, aber die Neugier obsiegte wieder einmal. Also in Sachen Zigarrerauchen, war der echt Profi, sah alles sehr routiniert aus. Aber Wein trank der bestimmt nicht oft, soff das Glas einfach so in einem Zug leer. Vermutlich hatte er den Wein sich nur bestellt, weil er Kaffee auch nicht mochte, und sonst passte nichts zur Rauchware. Die Einrichtung sah teuer aus, edle Hölzer wohin das Auge der Amsel auch blickte, Kolonialstil vom feinsten. Das war jetzt doch alles sehr verlockend, vor allem die Fotorahmen an den Wänden: Bilder von stattlichen Villen und Palästen in Südamerika, Afrika und Asien. Ob er Architekt war? Kein Motiv aus dem alten Europa! Aha, er winkte, möchte wohl bezahlen. War die Zigarre so recht? Noch ein Gläschen? Bei ihm zuhause? Nein ich komme vor 18 Uhr hier nicht weg, danach brauche ich erst mal ein Bad. Heute Abend? Na gut, aber wozu sollte diese Einladung gut sein? Er kenne mich doch gar nicht. Er würde mir etwas zeigen wollen – seine Briefmarkensammlung oder was? Nein, seine verdreckten Unterhosen bei ihm auf dem Balkon, seine Frau habe ihn verlassen, das billige Filipinoflittchen, und jetzt wäre so eine Zugehfrau wie ich genau das richtige für seine verschlampte Wohnung. Er würde mich auch gut bezahlen, in Naturalien versteht sich. Dabei grinste er über beide Ohren. Hält sich wohl für unwiderstehlich. Na der soll mich mal kennenlernen. Der Vogel war inzwischen im Schlafzimmer angelangt, heidihoppsassa aufs Bett gesprungen und erst mal zu einem Nickerchen in den flauschigen Federn entschlossen. Da klingelte es an der Wohnungstür. Die Amsel flog zum Spion guckte hindurch. Da stand sie, eine brünette Mitdreißigerin, grazierend im Hausflur. Hallo, bist du zu hause? Nein, keiner da, zwitscherte die Amsel. Ah, sie besaß einen Schlüssel. Sie fing auch gleich mit dem Aufräumen an, sollte sie nicht erst heute Abend…? Na auch egal, da der Mann auch gerade kam. Nach ein, zwei Stunden blitzte die ganze Wohnung, sogar der Balkon, nur schade um die Zahnstocher, die unerreichbar im Mülleimer verschwunden waren. Zu dritt machten sie es sich im Bett gemütlich, als plötzlich die Luft von einem bezaubernden Klang erfüllt wurde. Es waren Lieder zu hören, die einst wohl zu bestimmten Ritualen gehört hatten. Gegenwärtig konnte man sie nur als Kunst bezeichnen. Der Mann, nennen wir ihn mal Fred, jauchzte als sich die brünette Zugehfrau wie auf Kommando die Klamotten vom Leibe riss. Die Amsel jubilierte begleitend. Am Ufer des Tibers saß ein Mönch, der zählte die Sterne, die im Fluss wiederblitzten. Ihre Zahl nahm stetig ab, je mehr das Morgenrot erstrahlte. Dabei schien alles einem Rhythmus zu gehorchen. Der Mönch, nennen wir ihn Fredo, glotzte bei soviel Frieden um ihn herum nur noch den letzten sich spiegelnden Stern an, ließ sich hypnotisieren von diesem, bis ein großartiges Gefühl von Befreiung ihn ergriff. Er wusste diese Ruhe zu schätzen, dankte dem Himmel und den Wolken, die allmählich auf diese Bühne traten. Als ein Blitz den Höhepunkt des Mysteriums ankündigte, fasste er sich an sein Herz und quetschte es bis daraus der Wein, den Fred in dem Cafe so überstürzt getrunken hatte, in den Tiber tropfte.Triestiner Weinregal Die Amsel war schon lange tot, zerdrückt unter den Liebenden, der Mann wischte sich jetzt seinen erschlafften Pimmel mit einem kaffeebraunen Stofftaschentuch ab, die Bedienung, nennen wir sie Frida, wimmerte noch leise vor sich hin: wie ein Himmel voller Sterne, und diese Musik, diese Musik, woher kam nur diese Musik? Da entdeckte sie die Amsel, die nun nicht mehr sang. Der arme Vogel, dachte sie, während Fred auf dem Balkon eine Zigarre beschnitt. Vergeblich versuchte sie den Kadaver im Klo runterzuspülen. Schließlich gab sie auf, trug die Amsel auf den Balkon und warf ihn in den Garten. Zwei Vogeljäger zogen den japsenden Mönch aus dem blutroten Tiber. Er roch stark nach Alkohol und wollte gleich wieder in den Fluss springen, deshalb fesselten sie ihn mit einem ihrer Vogelnetze. Stattdessen sang er jetzt eine Lobpreisung. Die Amsel hüpfte noch etwas geschwächt, aber desto erfreuter, trillernd über die Wiese.

•2009/06/24 • Kommentar schreiben

Sonne im Baum

•2009/06/24 • Kommentar schreiben

Zeugnis

Schweren Mutes

Vertraue ich breiter

Einer wärmenden Geduld

Und verantworte dem Licht

Den erdangezogenen Baum

Um die Erdoberfläche zu verwurzeln

Bis der Lebenskreislauf in den Gewässern

Fruchtbare Blüten gebiert

(TM10/10/04)

•2009/06/24 • Kommentar schreiben

Horizontlinien

Identität

•2009/06/22 • Kommentar schreiben

Ich bin es. Ich lebe, fühle, rieche, schmecke, höre, sehe, gehe, schlafe, esse, denke, liebe, glaube, schimpfe, singe und staune.

Mein blondes Haar weht im Wind und meine blauen Augen glitzern in der Sonne. Die Welt erscheint mir unbegreiflich, das Universum eine bloße Vorstellung der Unendlichkeit. Die Nacht ist mir vertraut, aber der Tag erscheint als leere Versprechung. Das Helle blendet bis das Dunkle tröstet. Nichts ist erreichbar. Meine Erfahrungen lösen sich im Vergessen auf. Es ist so wie ich bin. Die Frage nach einer Antwort stellt sich nicht.

Deutschland atmet: Am Meer weht eine kühle Brise, die Wellen rollen über den gekiesten Strand. In der Stadt geht ein leichter Wind, die Abgase der Autos erreichen die Nasen der Kinder. Auf dem Gipfel des Berges tobt ein Gewittersturm, ein dichter Regenvorhang versperrt den Ausblick ins Tal.

WirIn München ist heute zwischen 08:37 und 08:42 etwas außergewöhnliches geschehen: alle Menschen, die genau in diesen fünf Minuten eine Tram, einen Bus, eine U- oder S-Bahn verpasst haben, fanden sich eine Minute später – als sie sich gerade noch über sich selbst oder über das entwischte Verkehrsmittel oder über Murphy’s Law ärgerten – in einer großen weißen Halle wieder. Viele hielten es zunächst für einen Flugzeughangar und staunten über die enorme Helligkeit des weiten Raumes. Als, die Menschen die anderen sahen, richteten sie das Wort an sie, doch ihre Stimmen waren nicht zu hören, nicht einmal von ihnen selbst. Es herrschte eine absolute Stille, sogar als einige mit den Füßen aufstampften und wild herumsprangen, entstand keinerlei Geräusch. Da wurde es den ersten etwas mulmig und sie gingen auf die anderen zu, wollten sie berühren, doch je näher sie kamen, desto weiter schienen diese von ihnen entfernt zu sein. Auch die hellen, weißen Wände der Halle konnte niemand erreichen, der Raum schien unendlich. Allmählich wurden alle – es waren gut dreihundert Leute – ruhiger und setzten sich auf den Boden, der sich warm und gepolstert anfühlte wie eine Turnmatte. Plötzlich war doch etwas zu hören: das Pochen der vielen Herzen wuchs zu einem monströsen Rattern an, nach und nach glichen sich die einzelnen Rhythmen einander an und waren kaum noch zu unterscheiden. Übrig blieb ein einziger gemeinsamer Herzschlag, was die Menschen zutiefst harmonisch und friedvoll stimmte.Ihr

Ich betrat den Raum durch einen unsichtbaren Eingang und setzte mich mitten unter die Menschen.

Sie sind da

•2009/06/18 • Kommentar schreiben

Heute morgen ist die Sonne nicht aufgegangen. Ich habe mich zuerst gar nicht gewundert, da ich noch immer die Sonnenbrille auf der Nase trug. Ich war wohl sturzbetrunken von dem Feuerwehrfest spät heimgekehrt und mich gleich ins Bett fallen lassen. Als ich die Nachtischlampe ausschaltete, bemerkte ich wie dunkel es plötzlich im Zimmer war. Die Jalousie war aber ganz nach oben gezogen, Vorhänge hatte ich keine. Die Uhr auf dem Kirchturm gegenüber konnte ich nicht lesen, also sah ich zum Radiowecker: halbelf – zehn Uhr fünfunddreißig, helllichter Tag! Eine Sonnenfinsternis war nicht angekündigt. Ich öffnete das Fenster. Mit einem leisen Fauchen, sprang die Katze ins Zimmer und hechtete gleich unters Bett. Die Luft roch frisch, kein Rauch oder Gas konnte ich wahrnehmen. Es war nahezu windstill, nur etwas kühl für die Jahreszeit. Ich ging ins Wohnzimmer, schaltete den Fernseher ein. Aber es kam nicht mal ein Schneetreiben, nur blankes Schwarz füllte den Bildschirm. Kein Ton. Mal nachsehen, ob die Zeitung im Briefkasten war. Im Hausgang begegnete mir ein Nachbar. Er murmelte nur: „So ein Mist, das musste ja mal so kommen,“ und ging schnurstracks in den Keller. Die Zeitung war da, aber keine außergewöhnliche Schlagzeile, kein Katastrophenbericht. Nur auf der ersten Seite Lokales fand ich eine kleine Meldung. Ein Bauer war beim Ernten seines Getreidefeldes spurlos verschwunden. Auffällig waren aber die vielen Spinnen, die über sein Feld krabbelten. Ich sah noch mal konzentriert aus dem Fenster. Und dann sah ich sie: auf allen Sträuchern und Bäumen im Garten krabbelte ein dicke Decke aus diesen kleinen Monstern. Einige schienen sich direkt aus dem Himmel abzuseilen – aus einem dichten schwarzen Dach aus Spinnenfäden. Deshalb drang die Sonne nicht mehr bis zum Boden durch. Na, das war ja ein schöner Salat.Spinnennetz

Ein einziges Spinnennetz ist zigmal bestaunens- und erinnerungswerter als die gesamte Jahresproduktion eines großen Automobilkonzerns oder die Rekordeinschaltquote eines Megasportereignisses. Wir müssen uns entscheiden, auf welcher Seite wir stehen wollen. Wo wir hinkommen wollen. Wo wir bleiben wollen.

•2009/06/17 • Kommentar schreiben

Schnecke

•2009/06/17 • Kommentar schreiben

!Lebe

Widerstehe

Vergangenheit und Zukunft

Geschichte und Hoffnung

Sind unvereinbar

Teile nicht

Und füge nichts zusammen

Lerne zu vergessen

Aber erinnere dich an das

wovon du noch nichts weißt

Liebe deinen Hass

Glaube an den Widerspruch

Tief in dir

ist kein Fluss der sich bewegt

es ist die Brücke auf der du stehst

die dein Bewusstsein umtreibt

so verweile in der Gegenwart

lebe jetzt!

(TM7/11/96)

Nachtwach

•2009/06/16 • Kommentar schreiben

Die Luft ist dick und rot, die Straßenlaterne scheint die ganze Dunkelheit zu fressen. Ich liege am offenen Fenster und betrachte die paar Sterne, die noch zu sehen sind. In weiter Ferne miaut eine Katze, kurz darauf schlägt in der Nähe ein Hund an. Ich kann mich nicht mehr erinnern, seit wann ich hier liege. Bald friert es mich ein wenig, doch ich bin außerstande aufzustehen, um das Fenster zu schließen.nachtwach

Der neue Tag

•2009/06/15 • Kommentar schreiben
MorgentauDie Musik fließt durch mich hindurch
Und verdrängt die Stille in mir
Der Tee löscht meinen Durst
Die frische Morgenluft gibt mir Kraft
Der Tag beginnt.
Wieso seid ihr euch so sicher
Über den Ausgang dieses Tages?